[Stiftung Hessischer Naturschutz]

Gr√ľndung

Die Stiftung Hessischer Naturschutz wurde am 08.09.1978 auf Beschluss der Hessischen Landesregierung als rechtsf√§hige Stiftung des √∂ffentlichen Rechts gegr√ľndet.

Die Notwendigkeit eine Naturschutzstiftung zu gr√ľnden wurde 1978 so definiert:

Gespräch mit Prof. Goerlich

am 12.12.2006 (Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Hessischer Naturschutz von 1991 bis 2008)

Herr Prof. Goerlich, Sie sind quasi "Gr√ľndungsmitglied" der Stiftung Hessischer Naturschutz und seit 1991 Vorsitzender des Stiftungsrates. Wie kam es zur Gr√ľndung der Stiftung?
Der Beschluss √ľber die Kabinettsvorlage zur Gr√ľndung der Stiftung Hessischer Naturschutz wurde Mitte des Jahres 1978 gefasst vor dem Hintergrund des in den 70er Jahren gewachsenen Bewusstseins √ľber die Bedeutung der Umwelt und die Notwendigkeit zur Erhaltung der nat√ľrlichen Lebensgrundlagen. Der erste Entwurf f√ľr das Hessische Naturschutzgesetz sah urspr√ľnglich die Errichtung einer F√∂rderstiftung f√ľr die Belange des Naturschutzes vor; die Beratungen √ľber die inhaltlichen Festlegungen in diesem ersten Hessischen Naturschutzgesetz zogen sich jedoch in die L√§nge und so wurde dann nach Errichtung der Stiftung f√ľr eine gesetzliche Fixierung im Gesetz keine Notwendigkeit mehr gesehen.
Wie dringlich der Bedarf an einer dem Naturschutz gewidmeten Stiftung damals eingeschätzt wurde, kann man schon daran erkennen, dass die konstituierende Sitzung der Stiftung im Jahre 1979, also lange vor dem Inkrafttreten des Gesetzes (1981), stattfand.

Wie hat man die Stiftung denn organisiert?
Die Organe der Stiftung sind der Stiftungsrat mit heute 21 Mitgliedern (darunter die Vertreter der in Hessen nach Bundesnaturschutzgesetz zugelassenen Naturschutzverb√§nde und Mitglieder aus den im Hessischen Landtag vertretenen Parteien) und der Stiftungsvorstand mit 4 Mitgliedern. Eine "Gesch√§ftsf√ľhrung", die das f√ľr den Naturschutz zust√§ndige Ministerium stellt, unterst√ľtzt Stiftungsrat und -vorstand. Die Mitglieder des Stiftungsrates w√§hlen ihren Vorsitzenden und dessen Stellvertreter f√ľr jeweils eine Amtszeit von drei Jahren. Von 1979 bis 1991 war Willi Bauer, ein herausragender hessischer Natursch√ľtzer und Hauptinitiator f√ľr diese Stiftung, der Vorsitzende, seit dessen Tode 1991 habe ich dieses Amt inne.
Der Vorsitzende des Vorstandes wird von der Landesregierung bestellt; zur Zeit ist dies der amtierende "Naturschutzminister" Wilhelm Dietzel.
Schlie√ülich gibt es noch einen F√∂rderkreis, dessen Mitgliedsbeitr√§ge der Stiftung zuflie√üen. Die Stiftung wurde vom Land mit 7 Mio. DM Grundkapital ausgestattet und arbeit seitdem mit den Zinsertr√§gen. Anf√§nglich war eine Erh√∂hung des Stiftungskapitals auf 10 Mio. DM vorgesehen, diese Aufstockung ist aber immer nur Absichtserkl√§rung geblieben. Die Stiftung wurde bisher allerdings aus Lotto- und Tottomitteln sowie Ertr√§gnissen der Gl√ľcksspirale so gestellt, als st√ľnden ihr eben die Zinsen von 10 Mio. DM zur Verf√ľgung.
Lange Zeit konnte die Stiftung j√§hrlich 300 000 bis 400 000 DM in die Projektf√∂rderung flie√üen lassen. Heute ist die zur Verf√ľgung stehende Summe aufgrund erheblich geringerer Anlagezinsen deutlich niedriger.

Seit 1979 hat die Stiftung Hessischer Naturschutz annähernd 1000 Projekte gefördert. Können Sie uns einige herausragende Projekte nennen?
Der dickste Brocken war vielleicht das Projekt "Altensee 4" in Borken.
Hier wurden zusammen mit Landes- und Bundesmitteln umfangreiche Grundst√ľcksank√§ufe get√§tigt f√ľr die Entwicklung und Sicherung eines aus Naturschutzsicht hoch interessanten durch Braunkohletagebau entstandenen, stark oligotrophen See's.
Herausragend sind auch Projekte wie eine Umweltb√∂rse, mit der die Naturschutzakademie in Hessen das wenig aufeinander abgestimmte Bildungs- und Fortbildungsangebot verschiedener Stellen (Land, Kommunen, Schulen u. a. Bildungsst√§tten) koordinieren und b√ľndeln wollte oder Vorhaben zum Schutz sowie Erhaltung von Flora und Fauna mit Bilddokumentationen. Auch Beobachtungsst√§nde z. B. f√ľr die Beobachtung von V√∂geln an interessanten Pl√§tzen sind gef√∂rdert worden, ebenso wie Einrichtungen zur Begehung von naturnahen Fl√§chen zum Studium der besonderen Naturausstattung.
Die gro√üz√ľgige F√∂rderung von Naturschutz-Informationszentren war schon immer ein besonderes Anliegen der Stiftung, da hier den B√ľrgern insbesondere der Jugend die Anliegen des Naturschutzes und die √∂kologischen Zusammenh√§nge nahe gebracht werden k√∂nnen (Bensheim, K√ľhkopf, Wildeck-Obersuhl, Waldjugendheim in Niedermitlau, Borken, Kranichstein, Weilbach usw.). Zahlreiche Gro√üveranstaltungen von Verb√§nden aber auch der Stiftung selbst zu ganz bestimmten Themen ("Wie viel Urwald braucht das Land" oder "Biodiversit√§t" u. a.) konnten nur durch Stiftungsgelder verwirklicht werden. Auch die Herausgabe verschiedener Aufkl√§rungsbrosch√ľren, Flyer, Bildb√§nde, "Arten-Steckbriefe" oder Dokumentationen von Vortr√§gen w√§re ohne Stiftungszuwendungen nicht m√∂glich gewesen.
Ein Herzst√ľck der Stiftung ist das Erscheinen der Buchreihe 'Natur in Hessen'. Jedes der bisher aufgelegten 8 B√§nde behandelt eine bestimmte Landschaft Hessens und Naturschutz-Kleinodien dieser Region. Insgesamt stellen die detailreich recherchierten B√ľcher des Autors Herwig Klemp einen hervorragenden √úberblick √ľber die Naturraumausstattung und die Besonderheiten dar. Die Stiftung hat auch die Finanzierung der pekuni√§r sehr aufw√§ndigen Antr√§ge bei anderen F√∂rderinstitutionen (z. B. Deutsche Stiftung Umwelthilfe, Bundesamt f√ľr Naturschutz), durch welche bei positivem Bescheid nicht unerhebliche Geldmittel f√ľr Naturschutzaufgaben nach Hessen geflossen sind, √ľbernommen.

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Präsentation des 2006 neu erschienenen Bandes 'Odenwald und
Bergstraße' im UNESCO-Geopark Bergstraße-Odenwald

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Welche Ziele verfolgt die Stifung?
Die Ziele bzw. Zwecke der Stiftung sind in ihrer Verfassung vorgegeben. So heißt es in § 2 derselben:
(1) Die Stiftung Hessischer Naturschutz f√∂rdert materiell und ideell den Schutz der Natur und der Landschaft und soll damit zur Erhaltung der nat√ľrlichen Umwelt und der nat√ľrlichen Lebensgrundlagen beitragen.
(2) Die Stiftung hat insbesondere folgende Aufgaben:
1. Förderung von Maßnahmen zu Schutz, Pflege und Entwicklung von Natur und Landschaft;
2. Förderung der Verbreitung des Naturschutzgedankens;
3. Erwerb, Ver√§u√üerung oder Anpachtung von Grundst√ľcken zu Zwecken des Naturschutzes.

Hohe Priorit√§t genie√üt dabei die F√∂rderung des Naturschutzgedankens; gerade die genannte Buchreihe steht daf√ľr, auch die erw√§hnten Informationszentren. Ein junges hoch interessantes Projekt ist beispielsweise eine p√§dagogisch und didaktisch h√∂chstanspruchsvolle Ausstellung zu Artenvielfalt und Biodiversit√§t im Jagdschloss Kranichstein bei Darmstadt oder die Kampagne "Das Fledermaus freundliche Haus", mit der Hausbesitzer animiert werden sollen, den G√§sten (Flederm√§usen) Domizil in ihrem Hause zu gew√§hren. Nat√ľrlich muss die Stiftung auch zum jungen Hessischen Nationalpark Kellerwald "Flagge zeigen" und dort Projekte unterst√ľtzen. Ein ausgezeichneter Bildband zum Kellerwald ist gerade vorgestellt worden.
Zu allen m√∂glichen Themen sind Untersuchungen und h√§ufig auch Dokumentationen finanziert worden, j√ľngst z. B. B√§nde zu den Themen Altholzinseln und Auwald, beide wichtige Anliegen der Naturschutzverb√§nde. F√ľr Feldhamster, Schmetterlinge, Amphibien, V√∂gel, zahlreiche Pflanzenarten hat die Stiftung etwas getan, auch f√ľr den Hessischen Apfelwein, den √Ąppelwoi, in dem sie mehrfach die Wiederherstellung alter - inzwischen stark verwilderter - Streuobstwiesenbest√§nde finanziert hat.

Unterst√ľtzt die Stiftung den Naturschutz auch unmittelbar?
Ja nat√ľrlich; zu den Zielen der Stiftung geh√∂rt die F√∂rderung von konkreten Artenschutz- und Biotoppflegema√ünahmen. Die Aktivit√§ten der vielen im Naturschutz ehrenamtlich T√§tigen sind kaum zu √ľbersehen. Es ist eine vorrangige Aufgabe der Stiftung gerade diesen au√üerhalb des amtlichen Naturschutz wirkenden Akteuren zu helfen und sie zu unterst√ľtzen. Viele Anliegen betreffen Hilfe f√ľr Nistpl√§tze, Pflegeger√§tschaften, Pflanzgut, Ausstattung in Schulen und Infozentren f√ľr Naturschutzarbeiten und Beitr√§ge f√ľr Seminare und Workshops.

Gibt es denn speziell hessische Naturschutzanliegen?
Ja, bei den Entscheidungen der Stiftung spielen selbstverst√§ndlich √úberlegungen zu der besonderen Verantwortung Hessens f√ľr ganz bestimmt Arten (z. B. Roter Milan, Zippammer, Zauneidechse und √Ąskulapnatter im Rheingau) eine Rolle.
Wir begleiten wohlwollend Wiederansiedlungsprojekte (Biber, Luchs ) und sind darauf bedacht, auch den Europäischen Richtlinien ( FFH, Vogelschutz- und Wasserrahmenrichtlinie) Rechnung zu tragen.

Verfolgt die Stiftung eine Strategie bei der Projektförderung?
Einerseits f√∂rdert die Stiftung mit beschr√§nkten finanziellen Mitteln vielf√§ltige und breit gestreute Ma√ünahmen vor Ort und vermittelt damit auch Anerkennung f√ľr die Arbeit an der Basis des Naturschutzes.
Andererseits werden die F√∂rdermittel √ľberwiegend als Anteilsf√∂rderung vergeben und sind an die Aufbringung weiterer Mittel durch die √∂ffentliche Hand oder Privatpersonen gebunden.
Ein Vielfaches der zirka 10 Mio. Euro, welche die Stiftung bisher vergeben hat, kam auf diese Weise dem Naturschutz in Hessen zu gute.

Welche Rolle spielen die großen Umweltthemen?
Sie sind bei der Erledigung der Stiftungsaufgaben eher nebensächlich, spielen aber selbstverständlich hinein, wenn ich z.B. an die Wasserrahmenrichtlinie denke, bei deren Vollzug zahlreiche Renaturierungsprojekte ehrenamtlich Tätiger einfließen können.

Wie gestaltet sich die Arbeit in den Gremien der Stiftung?
Im Stiftungsrat sitzen Mitglieder der vier im Landtag vertretenen Parteien sowie Vertreter der hessischen Naturschutzverb√§nde. Trotz mancher unterschiedlicher politischer Interessen und Positionen ist die Arbeit stets sehr sachlich, ja gelegentlich mit einem freundschaftlichen Umgang √ľber die Partei- und Verbandsgrenzen hinweg. Man f√ľhlt sich gewisserma√üen "in einem Boot" und derselben Sache verpflichtet.

Und welche Entwicklungsperspektiven sehen Sie f√ľr die Stiftung?
Die Zeiten f√ľr den Naturschutz sind leider wieder schlechter geworden. Von den Politikfeldern stehen Umwelt- und Naturschutz auf der Priorit√§tenskala durch die Einsch√§tzung der √ľberwiegenden Mehrheit der B√ľrger nicht mehr an vorderer Stelle. Die Sorgen um den Arbeitsplatz und die Abstriche von vielen bei dem Wohlstandsniveau haben das Bild der 80er Jahre vollkommen verschoben.
Die j√ľngsten Novellierungen des Hessischen Naturschutzgesetzes, welche Vereinfachungen und Beschleunigungen f√ľr das Verwaltungshandeln bringen sollten, haben bedauerlicherweise auch einige f√ľr die Naturschutzverb√§nde wichtige Regelungen liquidiert.
Das hat aber m. E. wenig Auswirkungen auf die Arbeit der Stiftung, die vor dem eben genannten Hintergrund eher verst√§rkt f√∂rdern m√ľsste. Eine Aufstockung des Grundkapitals w√§re dringend erforderlich, auch j√§hrliche Zuwendungen gr√∂√üeren Umfangs z. B. aus den Ertr√§gnissen der Gl√ľcksspirale. Die F√∂rderung gr√∂√üerer Projekte w√§re dann m√∂glich und vor allem eine Intensivierung der √Ėffentlichkeitsarbeit.

Herr Prof. Goerlich, vielen Dank f√ľr dieses Gespr√§ch.

 
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